Chuval-Kelim

Türkei, Ostanatolien 1. Hälfte 19. Jahrhundert
ca. 155 x 122 cm

Ein handgewebter Kelim aus pflanzengefärbter Schafschurwolle, Ornamentbahnen in Wickeltechnik, die Streifenteile in Schussripsbindung, sehr guter restaurierter Zustand

Chuval Kelim

Derartige Kelims wurden in zusammengenähtem Zustand als Transport- und Vorratssack und geöffnet als Decke, vielfach als Pferdezierdecke, verwendet.

Das hier vorgestellte Exemplar darf als eines der schönsten seiner Art angesehen werden. Hervorzuheben ist die sorgfältige Ausarbeitung und große Klarheit der Ornamente, deren fein nuancierte seitliche Streifenabschlüsse und die warmleuchtenden Farben in den Streifenteilen, den sogenannten „Schürzen“.

Chuval Kelim

Es dominieren im Mittelbereich (Frontteil) zwei helle Ornamentbalken, getrennt durch einen musterlosen Streifen. Die Balken schmückt ein wiederkehrendes, heraldisch anmutendes Ornament. Den Kern des Ornamentes bildet ein Mosaik-Rhombus, der von „Widderhornhaken“ in variierenden Ausführungen umlagert ist. Bei genauer Betrachtung fasziniert ein starker, hin und her wechselnder positiv-negativ Effekt. Dieses über einen langen Zeitraum tradierte Muster ist in seinem Ursprung auf das sogenannte „Kotschak“-Symbol zurückzuführen, welches aus einer liegenden Raute mit zweiseitig gegenüber angehangenen Doppelhörnern besteht  und ein Ursymbol der turktartarischen Nomadenvölker darstellt. Die Kotschak-Raute symbolisiert eine Zisterne und steht für Wasser, die Doppelhörner symbolisieren Widder und stehen für Weidetiere im Allgemeinen. In dem naturabhängigen Leben dieser Nomaden, das von guten und bösen Geistern beherrscht wurde, vermittelten sie mit ihren Symbolen ihre Anliegen und Wünsche an die Mächte und Kräfte, zu denen ihnen ein direkter Zugang verwehrt war. Die Ornamentbalken werden nicht bis an die Seitenkanten geführt. Es folgen feine, bunte Streifenkomplexe. Die zwei äußeren Längsseiten der Ornamentbalken bilden je ein weißer Streifen mit aufgereihten Sechsecken, die mit einem S-Motiv belegt sind. Es folgt auf beiden Seiten eine „Schürze“ mit unterschiedlich breiten, farblich wechselnden Streifen. Eingestreute applizierte S-Motive finden sich auf einer Seite in einem, auf der anderen Seite in zwei Streifen nahe dem Zentrum.

Chuval Kelim

Chuval Kelim

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der einschlägigen Fachliteratur einige vergleichbare Stücke vorgestellt.

Siehe und vergleiche Museum für Kunsthandwerk Frankfurt Main, Museum für Islamische Kunst Berlin: „Yayla Form und Farbe in türkischer Textilkunst“ 1993, Autor Werner Brüggemann, Abb. 114, 115, 116.

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